Berlins Jugendämter sind völlig überlastet. Bis zu sechs Monate kann es
dauern, bis ein Antrag einer hilfesuchenden Familie bewilligt wird. Denn
die Sozialarbeiter in den Behörden haben viel zu viele Familien
gleichzeitig zu betreuen. Und das hat Folgen...
_mehr _rbbonline
_Interview _inforadio
...nicht nur die Jugendämter: der Personalstand ist berlinweit schwierig auf den Ämtern. Da sind laaaaaange Wartezeiten, auf den Bürgerämtern. Da war eine monatelange Auszahlungspause beim Erziehungsgeld, und Eltern ohne Geld.
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Montag, 25. November 2013
Sonntag, 2. Dezember 2012
Hamburg: Grüne fordern Aufklärung über Jugendhilfe-Praxis
Der Fall des verschwundenen elfjährigen Jeremie hat nach Angaben der
Grünen in der Hamburger Bürgerschaft eine Reihe von Ungereimtheiten aus
der Jugendhilfe-Praxis der Hansestadt ans Licht gebracht.
Wie ein Sprecher am Sonntag mitteilte, kostet die Unterbringung Jeremies in einer Zirkusfamilie Hamburg monatlich rund 7400 Euro. Die Betreuerin habe keine pädagogische Ausbildung. Trotz der verordneten intensivpädagogischen Betreuung habe nur alle zwei Wochen eine Pädagogin den Jungen besucht. Der Amtsvormund soll Jeremie in zwei Jahren nur fünfmal gesehen haben, vorgeschrieben sei ein monatlicher Kontakt. Maßnahmen wie die Unterbringung in einem Zirkus seien erst ab 14 Jahren empfohlen. Für Jeremie war sie bereits mit neun Jahren angeordnet worden.
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Quelle_ kn-online.de_
Donnerstag, 19. Juli 2012
Studie: Massive Mängel bei Familienhilfe in Hamburg
Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter der Allgemeinen Sozialen Dienste (ASD) in Hamburg ist so gravierend hoch, dass eine qualifizierte Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung kaum möglich ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Universität Koblenz, die dem Hamburg Journal und NDR 90,3 vorliegt. In einigen Abteilungen könnten nur noch Notfälle bearbeitet werden, sagte eine ASD-Mitarbeitern im Bezirk Nord. Grundlage des Berichts, der von der Hamburger Sozialbehörde in Auftrag gegeben wurde, sind unter anderem 63 Gespräche mit Mitarbeitern in allen ASD-Dienststellen.
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Quelle: ndr.de
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Quelle: ndr.de
Dienstag, 26. Juni 2012
Donnerstag, 1. März 2012
Moderne Sozialarbeit - zum Scheitern verurteilt?
Jugendämtern wird Versagen angelastet, wenn Fälle von Kindesvernachlässigung bekannt werden. Die moderne Sozialarbeit droht zu scheitern, wenn Sozialarbeiter ständig mit der Angst vor Ermittlungen leben müssen.
Kaum ein Monat vergeht, ohne dass in Deutschland ein neuer Fall von Kindeswohlgefährdung bekannt wird, manchmal gar mit tödlichem Ende. Die Empörung der Öffentlichkeit trifft dann zunächst die nachlässigen Mütter und Väter und das sonstige familiäre Umfeld des Opfers. Danach wird nach der Rolle des Jugendamtes gefragt: Wo war es, was hat es getan, wieso hat es nichts getan? Die staatliche Institution, per Gesetz Garant des „Wohl(es) des Kindes“, taugt vorzüglich als anonymer Prügelknabe. Dabei verbirgt sich hinter ihr meist eine fallverantwortliche Person, die Sozialarbeiterin oder ihr männliches Pendant, das in den letzten Jahren seltener geworden ist.
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Quelle: tagesspiegel.de
Sonntag, 8. Januar 2012
Abschlussbericht Befragung zur sozialen und beruflichen Lage von Fachkräften der Sozialen Dienste in Berlin und Brandenburg
...Die Ökonomisierung sozialer Dienstleistungen seit Beginn der neunziger Jahre sowie die seit Ende der neunziger Jahre in Umsetzung befindlichen Aktivierungsstrategien (Workfare, Sozialraumorientie-rung, Casemanagement u.a.) und Rationalisierungsstrategien haben neben Kostenreduktionen zu einer weitgehenden, qualitativen Restrukturierung geführt.
Neben einigen positiven Wirkungen vielfältiger Reformaktivitäten ist festzustellen, dass die Soziale Arbeit erheblich unter Druck geraten ist. Zum Zeitpunkt der Konzeptionierung des Projekts waren bundesweit erhebliche Personalkürzungen festzustellen, die den Arbeitsmarkt stark belasteten und auch Wirkungen auf bestehende, tariflich häufig ungeschützte Beschäftigungsverhältnisse hatten. Zwischenzeitlich wurde für die zentralen Professionen der Sozialen Arbeit, den Diplom-Sozialpädagoginnen und Diplom-Sozialpädagogen und den Erzieherinnen und Erziehern, ein Fach-kräftemangel festgestellt, der aber mit Ausnahme des steigenden Fachkräftebedarfs in Kitas vermut-lich nur eine Übergangserscheinung darstellt und keine selbsttragende Wirkung auf die Beschäfti-gungsbedingungen entfalten dürfte.
Im Rahmen des Projektes ist eine Bestandsaufnahme der Beschäftigungssituation von Fachkräften in den Bundesländern Berlin und Brandenburg vorgesehen. Betrachtet werden zentrale Aufgabenfelder der Sozialen Arbeit:
1. die Kinder- und Jugendhilfe mit dem Schwerpunkt Erziehungshilfen (ohne Kindertagesstätten) nach dem SGB VIII, und
2. die Behinderten- bzw. Eingliederungshilfe nach dem SGB XII – ambulante, teilstationäre und stati-onäre Betreuungsformen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung...
der vollständige Abschlussbericht ist hier...
Neben einigen positiven Wirkungen vielfältiger Reformaktivitäten ist festzustellen, dass die Soziale Arbeit erheblich unter Druck geraten ist. Zum Zeitpunkt der Konzeptionierung des Projekts waren bundesweit erhebliche Personalkürzungen festzustellen, die den Arbeitsmarkt stark belasteten und auch Wirkungen auf bestehende, tariflich häufig ungeschützte Beschäftigungsverhältnisse hatten. Zwischenzeitlich wurde für die zentralen Professionen der Sozialen Arbeit, den Diplom-Sozialpädagoginnen und Diplom-Sozialpädagogen und den Erzieherinnen und Erziehern, ein Fach-kräftemangel festgestellt, der aber mit Ausnahme des steigenden Fachkräftebedarfs in Kitas vermut-lich nur eine Übergangserscheinung darstellt und keine selbsttragende Wirkung auf die Beschäfti-gungsbedingungen entfalten dürfte.
Im Rahmen des Projektes ist eine Bestandsaufnahme der Beschäftigungssituation von Fachkräften in den Bundesländern Berlin und Brandenburg vorgesehen. Betrachtet werden zentrale Aufgabenfelder der Sozialen Arbeit:
1. die Kinder- und Jugendhilfe mit dem Schwerpunkt Erziehungshilfen (ohne Kindertagesstätten) nach dem SGB VIII, und
2. die Behinderten- bzw. Eingliederungshilfe nach dem SGB XII – ambulante, teilstationäre und stati-onäre Betreuungsformen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung...
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Samstag, 19. November 2011
Sozialversicherungsbetrug? Streit um rechtswidrige Honorarverträge in Niedersachsen
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Sein Name stand im Dienstplan, er hatte einen Schreibtisch in der Schule, durfte nur während der Ferien Urlaub nehmen und bekam Aufgaben wie Pausenaufsicht und Betreuung zugeteilt: Markus H. fühlte sich als fester Mitarbeiter der Goetheschule Hannover. Zunächst war der studierte Informatiker als Ein-Euro-Kraft im Gymnasium mit Ganztagsbetrieb tätig gewesen und hatte danach einen Honorarvertrag erhalten. Als dieser auslief, klagte H. auf Anstellung. Das Arbeitsgericht gab ihm Recht: Der damals 31-Jährige sei „in schulische Abläufe und Organisation eingegliedert“, damit bestehe ein Arbeitsverhältnis, heißt es im Urteil vom November 2010, das eine Welle von Nachfolgeklagen auslöste. Beendet ist der Streit um Honorarkräfte an Ganztagsschulen jedoch noch lange nicht. Die Justiz ermittelt, ob und in welchem Umfang durch Scheinselbstständigkeit von Honorarkräften an Ganztagsschulen Sozialabgaben hinterzogen wurden. Die Staatsanwaltschaft geht landesweit von 10 000 Fällen bzw. Personen aus, die zum Teil mehrere Verträge hatten. Die Zahl läge noch höher, wenn nicht ältere Fälle inzwischen verjährt wären. Den verantwortlichen Arbeitgebern drohen Nachzahlungen an die Sozial- und Rentenversicherung. Damit wackelt das Konzept der schwarz-gelben Regierung in Niedersachsen, Ganztagsangebote mit der Arbeit von Honorarkräften auszubauen.
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Sein Name stand im Dienstplan, er hatte einen Schreibtisch in der Schule, durfte nur während der Ferien Urlaub nehmen und bekam Aufgaben wie Pausenaufsicht und Betreuung zugeteilt: Markus H. fühlte sich als fester Mitarbeiter der Goetheschule Hannover. Zunächst war der studierte Informatiker als Ein-Euro-Kraft im Gymnasium mit Ganztagsbetrieb tätig gewesen und hatte danach einen Honorarvertrag erhalten. Als dieser auslief, klagte H. auf Anstellung. Das Arbeitsgericht gab ihm Recht: Der damals 31-Jährige sei „in schulische Abläufe und Organisation eingegliedert“, damit bestehe ein Arbeitsverhältnis, heißt es im Urteil vom November 2010, das eine Welle von Nachfolgeklagen auslöste. Beendet ist der Streit um Honorarkräfte an Ganztagsschulen jedoch noch lange nicht. Die Justiz ermittelt, ob und in welchem Umfang durch Scheinselbstständigkeit von Honorarkräften an Ganztagsschulen Sozialabgaben hinterzogen wurden. Die Staatsanwaltschaft geht landesweit von 10 000 Fällen bzw. Personen aus, die zum Teil mehrere Verträge hatten. Die Zahl läge noch höher, wenn nicht ältere Fälle inzwischen verjährt wären. Den verantwortlichen Arbeitgebern drohen Nachzahlungen an die Sozial- und Rentenversicherung. Damit wackelt das Konzept der schwarz-gelben Regierung in Niedersachsen, Ganztagsangebote mit der Arbeit von Honorarkräften auszubauen.
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Donnerstag, 17. November 2011
Mit dem Maserati in die Insolvenz - Artikel aus der Berliner Morgenpost zur Insolvenz der Treberhilfe in Berlin
Donnerstag, 17. November 2011 02:20 - Von Brigitte Schmiemann
Die Treberhilfe Berlin steht anderthalb Jahre nach der "Maserati-Affäre" ihres Gründers Harald Ehlert vor dem Aus. Am Dienstag hat das Sozialunternehmen beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz beantragt. Jetzt brauchen das gemeinnützige Unternehmen und die 147 Beschäftigten - jahrelang das Vorzeigeunternehmen in der Obdachlosenhilfe - selbst Hilfe. Wegen ausstehender Sozialbeiträge stellte auch die Bundesknappschaft einen Insolvenzantrag.
4,5 Millionen Euro Schulden hat der Betrieb insgesamt angehäuft. Davon sind laut Auskunft des vorläufigen Insolvenzverwalters Christian Köhler-Ma von der Rechtsanwaltskanzlei Leonhardt allein 1,2 Millionen Euro für ausstehende Löhne und Gehälter. Mit der Auszahlung ist die Treberhilfe bereits mehr als drei Monate im Rückstand. "Weitere 1,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten gibt es bei Vermietungen von Wohnungen, in denen die "Klienten" der Treberhilfe wohnen. Sie sollen durch die Schieflage des Unternehmens möglichst keinen Schaden nehmen. "Wir bemühen uns mit allen Mitteln, dass kein Obdachloser, der über die Treberhilfe eine Wohnung erhalten hat, erneut auf der Straße landet", sagte Rechtsanwalt Köhler-Ma. Es seien allerdings mehr als 100 Räumungsklagen bei rund 500 Mietverträgen für Klienten der Treberhilfe anhängig, weil Mieten nicht gezahlt wurden.
Köhler-Ma machte sich Mittwochnachmittag gleich auf den Weg zur Berliner Senatssozialverwaltung, denn als größter Kunde der Treberhilfe habe sie ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, wie es weitergeht. Köhler-Ma verhandelt nach eigener Auskunft bereits mit einem Interessenten, der den Geschäftsbetrieb fortführen möchte.
Außerdem will er erreichen, dass die Mitarbeiter zwei der drei ihnen zustehenden Monate Insolvenzgeld schnell erhalten, nicht erst im kommenden Jahr wie es sonst üblich sei. Die Aussichten, dass der Insolvenzverwalter eine zukunftsträchtige Lösung für das angeschlagene Unternehmen erreicht, stufte er als "nicht einfach" ein. Die Gesellschaft habe erhebliche Schulden aufgehäuft und erst sehr spät einen Insolvenzantrag gestellt, kritisierte der Rechtsanwalt. Dennoch sei er verhalten optimistisch. Auf die Frage, ob Harald Ehlert als Gesellschafter aus dem Unternehmen noch Geld erhalten könnte, sagte Köhler-Ma generell: "Ein Gesellschafter erhält nur Geld, wenn alle Gläubiger bezahlt sind." Faktisch gebe es aber kein Geld.
Die Stimmung bei den Mitarbeitern der Treberhilfe, die im vergangenen Sommer jede Woche vor der Senatssozialverwaltung demonstriert hatten, als das Land Berlin dem Unternehmen die Verträge gekündigt hatte, ist längst im Keller. Immerhin seien die Beschäftigten gestern von der Geschäftsführung über den Insolvenzantrag informiert worden, sagte Betriebsratsvorsitzender Ralf Bittner. Die vergangenen Monate seien ohnehin schon sehr schwierig gewesen. "Viele Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen, weil sie nicht mehr gewillt waren, nach außen rechtfertigen zu müssen, was sie gar nicht zu vertreten hatten." Die jetzige Klarheit sei nach Monaten der Turbulenzen, in denen das Unternehmen immer wieder negative Schlagzeilen machte, auch ganz erleichternd.
Der Skandal um die Treberhilfe war ausgelöst worden, nachdem der Dienstwagen des damaligen Geschäftsführers Harald Ehlert, ein Maserati, mit zu hohem Tempo geblitzt worden war. Ehlert geriet in die bundesweite Kritik, nachdem öffentlich wurde, dass der Chef eines Sozialunternehmens sich einen Maserati samt Chauffeur leistet. Aus der Dienstwagen-Affäre zog Ehlert zwar die Konsequenz, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen und nur noch als Gesellschafter der gGmbH zu agieren, doch aus den Negativ-Schlagzeilen kam das Unternehmen trotzdem nicht heraus.
AFFÄRE BEGANN MIT DEM DIENSTWAGEN
Die Treberhilfe war jahrelang in Berlin die wichtigste Anlaufstelle, wenn es um Obdachlosenhilfe und Sozialarbeit ging. Die Arbeit der Sozialarbeiter wurde immer gelobt. Doch mit der "Maserati-Affäre" begann im Februar 2010 der Abstieg. Ehlerts Dienstwagen, auch die Höhe seines Gehalts und seine Wohnung in Caputh lösten eine öffentliche Debatte aus, ob ein gemeinnütziges Unternehmen sich so etwas leisten darf. Die öffentlichen Auftraggeber kündigten schließlich Verträge in Millionenhöhe und entzogen dem Unternehmen auf diese Weise nach und nach die Einkünfte. In Gerichtsprozessen konnte die Treberhilfe zwar Teilerfolge erzielen, doch Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke), die sogar Strafanzeige erstattet hatte, versuchte, den freien Träger aus dem Geschäft zu drängen. Die Treberhilfe habe nicht aktiv an der Aufklärung der Vorwürfe mitgewirkt, es gebe auch Zweifel an der Zuverlässigkeit des Trägers. Auch die Finanzbehörden leiteten eine Prüfung ein, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Geschäftsführung der Treberhilfe hingegen machte die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand für die finanzielle Lage verantwortlich. Die Forderungen aus Rechnungen, die die Treberhilfe an das Land Berlin habe, seien immer größer geworden. Gideon Joffe ist als Geschäftsführer längst von Stephan Hildebrand abgelöst worden. Der wollte am Mittwoch keine Stellung beziehen, sondern verwies auf den Insolvenzverwalter. Dieser bemüht sich unterdessen, schnell jemanden zu finden, der den Geschäftsbetrieb mit den 147 Mitarbeitern fortgeführt.
Die Treberhilfe Berlin steht anderthalb Jahre nach der "Maserati-Affäre" ihres Gründers Harald Ehlert vor dem Aus. Am Dienstag hat das Sozialunternehmen beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz beantragt. Jetzt brauchen das gemeinnützige Unternehmen und die 147 Beschäftigten - jahrelang das Vorzeigeunternehmen in der Obdachlosenhilfe - selbst Hilfe. Wegen ausstehender Sozialbeiträge stellte auch die Bundesknappschaft einen Insolvenzantrag.
4,5 Millionen Euro Schulden hat der Betrieb insgesamt angehäuft. Davon sind laut Auskunft des vorläufigen Insolvenzverwalters Christian Köhler-Ma von der Rechtsanwaltskanzlei Leonhardt allein 1,2 Millionen Euro für ausstehende Löhne und Gehälter. Mit der Auszahlung ist die Treberhilfe bereits mehr als drei Monate im Rückstand. "Weitere 1,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten gibt es bei Vermietungen von Wohnungen, in denen die "Klienten" der Treberhilfe wohnen. Sie sollen durch die Schieflage des Unternehmens möglichst keinen Schaden nehmen. "Wir bemühen uns mit allen Mitteln, dass kein Obdachloser, der über die Treberhilfe eine Wohnung erhalten hat, erneut auf der Straße landet", sagte Rechtsanwalt Köhler-Ma. Es seien allerdings mehr als 100 Räumungsklagen bei rund 500 Mietverträgen für Klienten der Treberhilfe anhängig, weil Mieten nicht gezahlt wurden.
Köhler-Ma machte sich Mittwochnachmittag gleich auf den Weg zur Berliner Senatssozialverwaltung, denn als größter Kunde der Treberhilfe habe sie ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, wie es weitergeht. Köhler-Ma verhandelt nach eigener Auskunft bereits mit einem Interessenten, der den Geschäftsbetrieb fortführen möchte.
Außerdem will er erreichen, dass die Mitarbeiter zwei der drei ihnen zustehenden Monate Insolvenzgeld schnell erhalten, nicht erst im kommenden Jahr wie es sonst üblich sei. Die Aussichten, dass der Insolvenzverwalter eine zukunftsträchtige Lösung für das angeschlagene Unternehmen erreicht, stufte er als "nicht einfach" ein. Die Gesellschaft habe erhebliche Schulden aufgehäuft und erst sehr spät einen Insolvenzantrag gestellt, kritisierte der Rechtsanwalt. Dennoch sei er verhalten optimistisch. Auf die Frage, ob Harald Ehlert als Gesellschafter aus dem Unternehmen noch Geld erhalten könnte, sagte Köhler-Ma generell: "Ein Gesellschafter erhält nur Geld, wenn alle Gläubiger bezahlt sind." Faktisch gebe es aber kein Geld.
Die Stimmung bei den Mitarbeitern der Treberhilfe, die im vergangenen Sommer jede Woche vor der Senatssozialverwaltung demonstriert hatten, als das Land Berlin dem Unternehmen die Verträge gekündigt hatte, ist längst im Keller. Immerhin seien die Beschäftigten gestern von der Geschäftsführung über den Insolvenzantrag informiert worden, sagte Betriebsratsvorsitzender Ralf Bittner. Die vergangenen Monate seien ohnehin schon sehr schwierig gewesen. "Viele Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen, weil sie nicht mehr gewillt waren, nach außen rechtfertigen zu müssen, was sie gar nicht zu vertreten hatten." Die jetzige Klarheit sei nach Monaten der Turbulenzen, in denen das Unternehmen immer wieder negative Schlagzeilen machte, auch ganz erleichternd.
Der Skandal um die Treberhilfe war ausgelöst worden, nachdem der Dienstwagen des damaligen Geschäftsführers Harald Ehlert, ein Maserati, mit zu hohem Tempo geblitzt worden war. Ehlert geriet in die bundesweite Kritik, nachdem öffentlich wurde, dass der Chef eines Sozialunternehmens sich einen Maserati samt Chauffeur leistet. Aus der Dienstwagen-Affäre zog Ehlert zwar die Konsequenz, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen und nur noch als Gesellschafter der gGmbH zu agieren, doch aus den Negativ-Schlagzeilen kam das Unternehmen trotzdem nicht heraus.
AFFÄRE BEGANN MIT DEM DIENSTWAGEN
Die Treberhilfe war jahrelang in Berlin die wichtigste Anlaufstelle, wenn es um Obdachlosenhilfe und Sozialarbeit ging. Die Arbeit der Sozialarbeiter wurde immer gelobt. Doch mit der "Maserati-Affäre" begann im Februar 2010 der Abstieg. Ehlerts Dienstwagen, auch die Höhe seines Gehalts und seine Wohnung in Caputh lösten eine öffentliche Debatte aus, ob ein gemeinnütziges Unternehmen sich so etwas leisten darf. Die öffentlichen Auftraggeber kündigten schließlich Verträge in Millionenhöhe und entzogen dem Unternehmen auf diese Weise nach und nach die Einkünfte. In Gerichtsprozessen konnte die Treberhilfe zwar Teilerfolge erzielen, doch Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke), die sogar Strafanzeige erstattet hatte, versuchte, den freien Träger aus dem Geschäft zu drängen. Die Treberhilfe habe nicht aktiv an der Aufklärung der Vorwürfe mitgewirkt, es gebe auch Zweifel an der Zuverlässigkeit des Trägers. Auch die Finanzbehörden leiteten eine Prüfung ein, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Geschäftsführung der Treberhilfe hingegen machte die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand für die finanzielle Lage verantwortlich. Die Forderungen aus Rechnungen, die die Treberhilfe an das Land Berlin habe, seien immer größer geworden. Gideon Joffe ist als Geschäftsführer längst von Stephan Hildebrand abgelöst worden. Der wollte am Mittwoch keine Stellung beziehen, sondern verwies auf den Insolvenzverwalter. Dieser bemüht sich unterdessen, schnell jemanden zu finden, der den Geschäftsbetrieb mit den 147 Mitarbeitern fortgeführt.
Mittwoch, 16. November 2011
Berliner Treberhilfe vor dem "Aus"
Mehr als eineinhalb Jahre nach der sogenannten "Maserati-Affäre" steht die Berliner Treberhilfe vor dem Aus.
Wegen ausstehender Sozialbeiträge beantragten das Sozialunternehmen und die Bundesknappschaft beim Amtsgericht Charlottenburg die Insolvenz. Die Treberhilfe habe Verbindlichkeiten von rund 4,5 Millionen Euro und sei zahlungsunfähig, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter am Mittwoch mit. Er wolle das Unternehmen mit derzeit knapp 150 Mitarbeitern fortführen. Es gebe bereits Gespräche mit ernsthaften Interessenten.
Die Treberhilfe betreut vor allem Obdachlose. Sie war Anfang 2010 unter anderem in die Schlagzeilen geraten, weil sich ihr Miteigentümer und damaliger Geschäftsführer Ehlert als Dienstwagen einen teuren Maserati leistete.
quelle: rbb-online.de
Wegen ausstehender Sozialbeiträge beantragten das Sozialunternehmen und die Bundesknappschaft beim Amtsgericht Charlottenburg die Insolvenz. Die Treberhilfe habe Verbindlichkeiten von rund 4,5 Millionen Euro und sei zahlungsunfähig, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter am Mittwoch mit. Er wolle das Unternehmen mit derzeit knapp 150 Mitarbeitern fortführen. Es gebe bereits Gespräche mit ernsthaften Interessenten.
Die Treberhilfe betreut vor allem Obdachlose. Sie war Anfang 2010 unter anderem in die Schlagzeilen geraten, weil sich ihr Miteigentümer und damaliger Geschäftsführer Ehlert als Dienstwagen einen teuren Maserati leistete.
quelle: rbb-online.de
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